Das liebe Federvieh
Zu einem richtigen Bauernhof gehört auch Krähen, Schnattern und Kreischen. Und da der Platz es hergibt,
leben auch verschiedene Schnatter- und Gackertiere bei uns. Manche länger, manche nur eine Saison. Aber alle fühlen sich wohl, haben
genug Platz und werden artgerecht gehalten.
Da gibt es die Höckergänse Lothar, Mathilde I und Mathilde II. Ich finde sie sehr attraktiv mit ihrer schönen Färbung und den langen
Hälsen. Höckergänse wurden aus der asiatischen Schwanengans gezüchtet und sind im Vergleich zu den "üblichen" Gänsen recht leicht. Ein
Ganter wiegt etwa 6 kg, Gänse etwas weniger. Dafür sind sie sehr viel lauter als andere Gänse, aber genauso wachsam. Ihnen entgeht
nichts und unbekannte Situationen werden lauthals gemeldet. Zum Glück haben wir recht tolerante Nachbarn... Ihre Namen bekamen die
Höckergänse wohl wegen des Höckers auf dem Schnabel.
Seit Frühjahr 2006 sind nur noch Lothar und Mathilde II bei uns. Dieses Jahr gelang im zweiten Anlauf nun endlich eine Brut.
Mathilde legte 13 Eier, baute sich ein schönes Nest und war für die nächsten 32 Tage unsichtbar. Sie saß 23,5 Stunden täglich
geduldig auf ihrem Nest.
Einmal am Tag ging sie aus dem Stall, um zu trinken und zu fressen. Dabei wurde sie von Lothar begleitet, der offensichtlich bemüht
war, sie wieder ins Nest zu bekommen.
Leider waren nur 6 Eier von 13 befruchtet und den Schlupf schafften nur 3 Küken. Diese sind aber putzmunter und wachsen schön.
Die Eltern sind ausgesprochen wachsam und verteidigen ihre Küken sehr engagiert.
Aus den 3 Küken sind schöne Gänse geworden. Die Familie hält nach wie vor zusammen.
Dann hatten wir noch zwei namenlose Streicherenten. Streicherenten sind etwa so groß wie Stockenten (unsere Wildenten). Sie entstanden
aus einer Kreuzung von Stockenten und indischen Laufenten. Die Farbe ist wie bei den Wildenten: Erpel haben einen leuchtend grünen Kopf
mit gelbem Schnabel, der Kopf der Ente ist hellbraun mit dunklem Schnabel. Beide Geschlechter haben blaue Flügelspiegel. Die
Körperfarbe ist zu einer Art "Strichtarn" aufgehellt, jede Feder hat einen weißen Rand und eine braune Mitte.
Zu unseren Streicherenten gibt es eine Geschichte: Streicherenten brüten nämlich nicht....
.... niemals, unter keinen Umständen - denen wurde das abgezüchtet. Sagte mir ein Bekannter, sehr engagierter und kundiger
Geflügelhalter und -züchter, als ich mir bei ihm Hilfe holte. Mein Streicherente, die ich seit vorigem Jahr habe, legte nämlich Eier.
Und legte und legte - und als es 35 Stück waren, kamen mir Bedenken, ob die kleine Ente das alles ausbrüten kann! Naja, wir haben dann
die Eier genommen, und zu meinem Bekannten in den Brutapparat geschafft. Die nächsten 10 Eier auch. Und dann legte sie noch 5 Eier und
- setzte sich auf ein ordentlich mit Federn ausgepolstertes Nest, um zu brüten. Naja, dachte ich, die wird das nicht lange
durchhalten, weil Streicherenten ja bekanntlich nicht brüten.
Nach etwa 28 Tagen, an einem Sonnabend, schlüpften 2 Küken. Am Montag untersuchte ich dann das Nest, da war noch ein totes Ei, die
anderen beiden Eier (am Freitag noch gesehen) waren spurlos verschwunden. Igel? Ratten? Egal, Mama und Papa Ente zogen mit den beiden
gelben Knäulen los, die Gänse nahmen das alles ganz easy und regten sich mal ausnahmsweise nicht auf. Also alles ganz ok, bis zum
Nachmittag. Da lag ein Küken tot auf der Wiese. Keine Ahnung, woran es gestorben sein könnte. Vielleicht ist eine Gans aus Versehen
drauf getreten ... Aber das andere ist putzmunter und Mama Ente kümmert sich rührend und paßt fein auf, daß das Baby Mittagsschlaf hält,
viel an die frische Luft kommt, sich gesund ernährt und regelmäßig badet. Es sieht so menschlich aus, wenn die Kleinstfamilie durch die
Wiese zieht. Er vornweg und schnattert leise vor sich hin - frei nach dem Motto: ich brauch' nicht laut reden, meine Frau hört mir eh
nicht zu - sie quakt lauter, ist ja auch wichtig; ab und an kommen aber ganz sanfte Töne. Das ist an den Nachwuchs gerichtet, ob er
auch mitkommt. Der kommt dann eifrig piepsend angekugelt und bekommt von Mama ein besonders leckeres Kleeblatt gezeigt.
Aber Streicherenten brüten nicht...
Nachts werden die Tiere im Stall getrennt. So entsteht weniger Streß. Tagsüber können sie sich auf der großen Wiese aus dem Weg gehen, im Stall
ist das nicht so möglich.
Manchmal kaufe ich im Frühjahr Gänseküken, die dann bis zum Herbst auf der Wiese fressen können. Und wenn es die Wetterlage hergibt und
ein trockener Sommer erwartet wird, füttern wir auch ein paar Puten bis zum Herbst mit.
Außer dem Wassergeflügel haben wir natürlich auch Hühner. Im allgemeine sind es keine Rassetiere, mehr so Gebrauchskreuzungen. Neben
Eiern mögen wir nämlich auch Frikassee. Aber seit 2004 haben wir einige rebhuhnfarbige Zwergbrahmas. Der kleine Zwerghahn hat auch
seine großen Hennen gut im Griff und managt die Herde problemlos.
Unsere Hühner leben auf rund 400 qm Auslauf und haben einen festen Stall mit großen Fenstern nach Süden. Durch die vielen Bäume und
Büsche im Auslauf ist es auch im Hochsommer im Stall angenehm. Im Winter kann die Sonne fast ungehindert hereinscheinen, so daß die
Hühner viel Licht haben und auch im Winter gut legen. Aber kein Licht ohne Schatten - die in unserer Gegend leider reichlich
vorkommenden Habichte dezimieren mit schöner Regelmäßigkeit den Hühnerbestand. Selbst eine Überspannung des gesamten Auslaufs mit Draht
und Flatterbändern hielt die Greifvögel nicht ab. Im Sommer 2004 hatten wir 6 Zwerghühner, 8 große Hühner und den Hahn. Im Frühjahr
2005 hatte sich die Herde auf 2 Zwerghühner, 2 große Hühner und den Hahn reduziert. Klar, auch Habichte haben Hunger und ich habe kein
Problem damit, wenn MAL ein Huhn geholt wird, aber das ging nun doch zu weit. Um dem nun endgültig eine Riegel vorzuschieben,
überspannten wir den gesamten Auslauf zusätzlich mit Obstbaumnetzen. Nun scharren neben den "Alten" wieder sieben Junghühner im
Auslauf und im Stall sitzen noch 3 Küken unterm Rotlicht. Ich hoffe, daß uns die jetzt erhalten bleiben.